Sperrmüllmarkt erfreut sich wachsender Beliebtheit
Wenn auffallend viele Anwohnende ausrangierte Matratzen auf Rollwägen durch die Straßen schieben, wissen viele im Harzer Kiez mittlerweile: Es ist wieder Sperrmüllmarkt. So auch am Donnerstag, den 05. März, am Wildenbruchplatz.
Problemfeld Sperrrmüll-Entsorgung
Die Sperrmüllmärkte bzw. Kieztage (BSR-Bezeichnung) gibt es mittlerweile in jedem Bezirk und sie erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Weil viele Menschen kein Auto und folglich kein Transportmittel haben, um alte Möbel, Matratzen oder sonstigen Sperrmüll zum Recyclinghof zu fahren, stellt sich für viele die Entsorgungsfrage. Weniger verantwortungsvolle Menschen stellen die Sachen dann einfach auf die Straße. Zusammen mit illegal abgeladenen Gewerbeabfällen und herumliegendem Verpackungsmüll ist so in den letzten Jahren ein gewaltiges Problem entstanden: Berlin ist an vielen Ecken vermüllt. Der Harzer Kiez macht da keine Ausnahme, im Gegenteil. Gerade am Kanal, in der Teupitzer Straße oder an den Kleingartenkolonien wird wie wild Müll abgelagert. Für viele Bewohner*innen des QM-Gebietes ist dies das Hauptproblem im öffentlichen Raum.
Unkomplizierte Möglichkeit Müll loszuwerden
Die Sperrmüllmärkte sind aktuell nur ein Teil der Lösung des Müllproblems, aber sie ermöglichen es vielen Menschen, ihren Sperrmüll unkompliziert und kostenlos zu entsorgen. Jeder Bezirk kann bei der BSR pro Jahr 24 Kieztage beantragen. Am begehrtesten sind die Samstage, aber davon gibt es ja nicht endlos viele im Jahr.
Die BSR rückt zu den Kieztagen mit mehreren Fahrzeugen an, darunter auch klassische Müllpressen. Was noch verwertbar ist, wird gesammelt und nach Veranstaltungsende in die NochMall nach Reinickendorf gebracht. Die NochMall ist das Second-Hand-Kaufhaus der BSR und immer für einen Besuch gut.
Kooperation zwischen Trial & Error und Null Müll Neukölln
Im Gegensatz zu anderen Bezirken beantragt in Neukölln nicht direkt das Bezirksamt den Sperrmülltag bei der BSR, sondern die Initiative Null Müll Neukölln, vormals „Schön wie wir“. Null Müll Neukölln ist eine bezirkliche Plattform, deren Ziel die Reduzierung von Müll und die Sichtbarmachung von bereits bestehenden Maßnahmen ist. Setzte Schön wie wir noch auf Kiezputze und die Eigeninitiative der Bürger*innen, liegt der Schwerpunkt von Null Müll Neukölln auf der Müllvermeidung. Null Müll Neukölln kooperiert dafür u.a. mit dem Kulturlabor Trial & Error, das im Harzer Kiez das QM-Projekt „Idyll ohne Müll“ umsetzt und zu den Mit-Organisator*innen des Sperrmülltages gehört. Die Sperrmülltage sind Bestandteil des Projekts „Idyll ohne Müll“. Mit viel Kreativität und Tatendrang setzt das Projekt in diesem Jahr wieder viele Mitmachaktionen im Harzer Kiez um, die Strategien zur Müllvermeidung und zu Upcyclingmöglichkeiten sichtbar machen. Geplant sind für die nächsten Monate monatliche Kietzputze, Mehrwegberatungen, eine Kleidertauschveranstaltung und ein Kiezspaziergang.
Tausch ist wichtiger Bestandteil der Sperrmüllmärkte
Das Team von „Schön wie wir“ war nach eigenen Angaben vor einigen Jahren die Erfinderin der Sperrmüllmärkte. Wichtiger Bestandteil war damals wie heute die Möglichkeit, alte Sachen zum Tausch anzubieten. Gut Erhaltenes wird auf den Bürgersteig oder auf Tische gestellt und mit etwas Glück von jemandem mitgenommen. Viele Möbel, vor allem aber Spielsachen und Geschirr, starten von hier aus in ihre zweite Existenz.
Tropfen auf den heißen Stein
„Es wird von Mal zu Mal mehr Müll“, erzählt Petra von Null Müll Neukölln. Wie die BSR, das Quartiersmanagement und die Initiative Trial & Error hat auch „Null Müll Neukölln“ einen kleinen Infostand aufgebaut. Petra und ihre Kollegin Lisa müssen immer wieder erklären, warum es so schwierig ist, das Müllproblem zu lösen und was jede und jeder zu dessen Lösung beitragen kann. Klar ist, dass Sperrmüllmärkte in einer Wegwerfgesellschaft nur einen Tropfen auf den heißen Stein darstellen.
Diesmal gab es eine Menge gut erhaltener Kleidungsstücke
Die wachsende Beliebtheit der Sperrmüllmärkte hat indes auch mit Konsum zu tun, denn sie bieten die Möglichkeit, kostenlos an die unterschiedlichsten Gebrauchsgegenstände zu kommen. Das Ganze ist freilich ein Glücksspiel, weil vorher nicht klar ist, was alles zu finden sein wird. So standen auf einem Sperrmüllmarkt 2023 am Wildenbruchplatz knapp 60 ausrangierte Fahrräder am Straßenrand, diesmal kaum welche. Dafür gab es viele gut erhaltene Kleidungsstücke und Spielsachen.
Wie perspektivisch das Müllaufkommen reduziert werden kann, beschrieb dann ein Mitarbeiter der BSR. Er sei kürzlich in Nepal im Urlaub gewesen und habe dort festgestellt, dass man besser ohne allzu viele materielle Dinge lebt.
Weitere Termine im Harzer Kiez zum Thema Müllvermeidung:
FR 20.03. 15-17 Uhr Kiezspaziergang -> Treptower Straße/Ecke Weigandufer
SO 29.03. 11-13 Uhr Kietzputz -> Wildenbruchbrücke
FR 17.04. 16-18 Uhr Kleidertausch im Kiezladen -> Harzer Straße/Ecke Treptower Straße
Text/Fotos: M. Hühn, Webredaktion QM Harzer Kiez, März 2026













