Hereinspaziert ins grüne Paradies!

Fotos: Birgit Leiß / Webredaktion

Die meisten Schrebergartenkolonien stehen Besucher:innen tagsüber offen, doch in die einzelnen Parzellen kann man allenfalls hineinspitzeln. Daher haben die Kleingartenanlagen (KGA) im Harzer Kiez mit Unterstützungen des Quartiersmanagements zum zweiten Mal einen Tag der offenen Gärten veranstaltet. Wo ein roter Luftballon an der Gartentür hing, dürfte man hereinspazieren und wurde mit Getränken, Kuchen oder Melonenschnitzen willkommen geheißen. Zum Beispiel in Parzelle 23 in der KGA Harztal-Wilde Rose in der Harzer Straße 79. Dort hat Anja seit 15 Jahren ihre kleine grüne Oase, direkt an der ehemaligen Mauer. Sie selber findet ihren Garten nicht spektakulär und ein wenig unordentlich. Ein junges britisch-deutsches Paar, das sich gerade umsieht, ist dagegen sichtlich angetan. „Und die Stachelbeeren schmecken toll!“ schwärmen sie. Ein bisschen neidisch sind die beiden schon. Es hat sich herumgesprochen: die Wartelisten auf einen Schrebergarten sind ellenlang. Später an diesem Samstagnachmittag liest Anja noch aus ihrem Roman, an dem sie gerade arbeitet.

Experimente mit Kiwis und Pilzen

So unterschiedlich die Gärten aussehen, eins ist den Laubenpiepern gemein: sie alle haben eine Leidenschaft fürs Gärtnern. Und sie reden auch gerne darüber. Mit den Besucher:innen – die meisten von ihnen müssen sich mit einem Balkon begnügen – wird ausgiebig gefachsimpelt über Blattläuse und Schnecken, über Permakultur und den Klimawandel, der mittlerweile auch den Anbau von Pfirsichbäumen möglich macht. Eine Gartenbesitzerin zeigt stolz ihren Kiwi-Baum. Ansonsten experimentiert sie viel, zum Beispiel mit der Pilzzucht – bislang ein Misserfolg, trotz Pilz-Workshop – und dem Einfrieren und Fermentieren der Obst- und Gemüseschwemme. Dabei ist sie erst seit fünf Jahren Pächterin. „Ich bin so glücklich mit dem Garten und ich weiß, dass es ein Privileg ist“, sagt sie. Ihre Parzelle stehe jederzeit offen. Nach mehreren Einbrüchen verschließt sie Laube und Garten nicht mehr. Die Reparatur der Tür habe mehr gekostet als die paar Sachen, die geklaut wurden. „Bei mir kann jeder reingehen und sich auf die Bank setzen, auch wenn ich nicht da bin“. Sie sei da eher kommunistisch, sagt sie lachend.

Privilegien aufbrechen

Tatsächlich geht der Trend eindeutig zum Öffnen und Teilen der Gärten. Dafür steht die Gemeinschaftsparzelle Harzer Acker in der KGA Harztal-Wilde Rose, ein QM-Projekt. Dort gärtnert seit 2023 eine Gruppe aus der Nachbarschaft. Auch die Stadtteilmütter haben ein Beet. „Die Kleingartenanlagen sind langfristig nur zu halten, wenn man sie anders bewirtschaftet und mehr Menschen teilhaben lässt“, sagt Frank, stellvertretender Vereinsvorsitzender und leidenschaftlicher Sammler von Koffergrammophonen. In seinem Garten gibt es vor dem blühenden Sommerflieder ein kleines Konzert mit Liedern von Doris Day sowie Claire Waldoff. „Was braucht der Berliner, um glücklich zu sein? ‚Ne Laube, ‚n Zaun und n‘ Beet“ trällert die Chanson-Sängerin aus den 1930er Jahren. „Klasse“ findet eine Besucherin diese Zeitreise. Sie hat einen Kleingarten in Pankow und wollte sich mal anschauen, wie man in Neukölln so gärtnert.

Honig aus der Sonnenallee

Eine andere Leidenschaft konnten die Besucher:innen in der Kolonie NCR in der Sonnenallee 187 kennenlernen. Hier hält Arezki Keddam Bienen. Das Imkerhandwerk hat er in Algerien gelernt. Arezki kann stundenlang über seine Bienen reden und macht auch regelmäßig Führungen mit Kindern aus dem umliegenden Schulen und Kitas. Dabei zeigt er in einem kleinen Schaukasten das „Tagebuch einer Honigbiene“. Auch in seinem Garten sind Gäste jederzeit willkommen. Selbstverständlich kann man den Honig auch verkosten und käuflich erwerben.