Auf Fledermaus-Safari im Harzer Kiez

Fotos: Birgit Leiß / Webredaktion

Eingeladen zu dieser besonderen Tour hatte die Initiative Wilde Hecken, die sich seit drei Jahren (gefördert vom Aktionsfonds des QM) um die Hecke am Weigandufer kümmert – samt ihrer tierischen Untermieter. Claudia und Uwe haben nach dem radikalen Rückschnitt der sogenannten Spatzenhecke durch Nachpflanzung sowie Anbringung von Nistkästen dafür gesorgt, dass die obdachlos gewordenen Vögel wieder ein Zuhause haben. Die Fledermäuse, die man vor allem in der Abenddämmerung sieht, brauchen ebenfalls Schutz, denn durch Sanierung und Dachgeschossausbau verschwinden ihre Lebensräume zunehmend. Für das Ökosystem spielen sie eine wichtige Rolle, unter anderem als Insektenvertilger. Etwa ein Dutzend Interessierte waren an diesem Freitagabend zum Treffpunkt am Elsensteg gekommen, darunter auch zwei Kinder. Fast alle hatten durch den Newsletter des Quartiersmanagements davon erfahren.

Die Ultraschalllaute sind für unsere Ohren nicht zu hören

Das gilt offenbar auch für die Fledermäuse, wie Claudia scherzhaft anmerkte. Denn kaum hatte die Gruppe nach einem kurzen Fußmarsch den Trusepark erreicht, flatterten sie zwischen den Bäumen umher, ganz so, als ob sie den Besuch erwartet hätten. Vorab waren Uwe und Claudia noch skeptisch gewesen, ob die fliegenden Säugetiere überhaupt zu sehen sein werden: „Aber wir werden sie hören.“ Denn die beiden hatten einen „Bat-Detektor“ dabei. Dieses Gerät wandelt die hochfrequenten Rufe der Tiere in hörbare Laute um. Es verrät sogar, um welche Art es sich handelt. 18 Arten gibt es in Berlin. Die meisten, die im Harzer Kiez herumfliegen, sind Zwergfledermäuse. Sie sind so winzig, dass sie in eine Streichholzschachtel passen. Weil sie so genügsam sind, gelten sie als Spatzen der Lüfte. Aber auch der Abendsegler fühlt sich im Harzer Kiez wohl. Beide leben in Dachritzen und Spalten von Gebäuden, manchmal auch in Rolllädenkästen.

Problem Wohnraummangel

Uwe erklärte, dass sie exzellent jagen können und sich hauptsächlich von Insekten ernähren, die wir nicht mögen, etwa Stechmücken. Neben dem Wohnraumproblem macht ihnen vor allem die Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft zu schaffen. Das ist in der Stadt zwar weniger schlimm, dafür gibt es hier weniger Insekten. Fledermäuse sind Winterschläfer und wechseln gern den Ort. Da wird nicht nur zwischen Sommer-und Winterquartier gependelt, sondern immer mal wieder nach passendem Wohnraum Ausschau gehalten – mitunter auch im Schlafzimmer der Menschen. Ob die fünf aufgehängten Fledermauskästen angenommen werden, wird sich zeigen. „Spätestens wenn sie durch Sanierung vertrieben werden, finden sie hier eine Ausweichwohnung“ hofft Uwe.

Lautlose Jäger der Nacht

Zum Abschluss ging es an den Schifffahrtskanal. Inzwischen war es dunkel geworden. Zu sehen waren die Tiere nicht mehr, aber der Fledermaus-Detektor meldete ein reges Treiben – direkt über dem Wasser gibt’s schließlich jede Menge Insekten. Sogar eine Breitflügelfledermaus wurde angezeigt. Die Teilnehmende löcherten Uwe und Claudia mit allerlei Fragen. Einige wünschten sich einen weiteren Termin. „Dann würde ich meine Tochter mitbringen“, meinte eine Teilnehmerin.

Die Initiative Wilde Hecken wird vom Quartiersmanagement Harzer Straße unterstützt. Über den Aktionsfonds konnten unter anderem die Fledermauskästen und der Detektor angeschafft werden.