Das Interesse am Lesen wecken
Seit 2023 läuft das Projekt „Lesen macht Spaß - Stärkung der Lesekompetenz an der Eduard-Mörike-Schule“, das aus Mitteln des Programms „Sozialer Zusammenhalt“ gefördert wird. Das Ziel des Projektes liegt schon im Namen: Die Lesekompetenz der Grundschulkinder zu fördern. Um dies zu erreichen, wurde in der Schule eine Bibliothek eingerichtet und es wurden (und werden) Lesepat*innen angeworben, die mit einzelnen oder einer kleinen Gruppe von Kindern kurze Texte lesen oder etwas spielen.
Viele Kinder lesen zuhause nicht
Hintergrund des Projekts ist die Erkenntnis, dass viele Schüler*innen zuhause kaum oder gar nicht lesen, wenig Kontakt zu Büchern haben und entsprechend schlecht lesen können. Die Gründe für die Leseferne sind vielfältig: wirtschaftliche Nöte, die Eltern lesen selbst nicht oder haben keine Kapazitäten, mit ihren Kindern zusammen zu lesen. Um die Distanz zum Medium Buch zu verringern, arbeitet das Projekt mit positiven Anreizen; Bücher sollen als etwas Wertvolles und Schönes erfahren werden.
Durch einen Aushang auf das Lesepaten-Projekt aufmerksam geworden
Einer der Lesepaten ist Fabian Rehme aus der Treptower Straße. Fabian ist 25 Jahre alt und studiert an der Humboldt-Uni Geschichte im Masterstudiengang. Seit 2023, im Jahr des Projekt-Starts, geht er wöchentlich in die Eduard-Mörike-Schule.
Auf das Projekt aufmerksam geworden sei er damals durch einen Aushang, erzählt Fabian. Kurz zuvor war er aus Dahlem nach Neukölln gezogen, mit der Perspektive „hier länger zu bleiben und sich in Neukölln ehrenamtlich zu engagieren.“
Vorgespräch mit der Projektleiterin
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Fabian keine pädagogischen Erfahrungen mit Grundschulkindern. Zwar absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Internat in Tansania, die Schüler*innen dort waren aber Jugendliche.
An der Eduard-Mörike-Schule gab es zunächst ein Gespräch mit der Projektleiterin Svenja Claußen, die anschließend den Kontakt zwischen ihm und einer Klassenlehrerin herstellte.
Gelesen wird während der Schulzeit
Der „Job“ von Lesepat*innen läuft an fast allen Schulen gleich ab: Die Lesepat*innen kommen während des (Deutsch-)Unterrichts an die Schule und setzen sich dann mit ein, zwei Schüler*innen in einen benachbarten Raum. Dort lesen sowohl die Lesepat*innen als auch die Schüler*innen kurze Stellen aus Texten vor oder spielen etwas zusammen. „Man kann Wörter gut auf eine spielerische Art und Weise nutzen, z.B. indem man guckt, wie viele Wörter das Kind innerhalb einer Minute lesen, und es sich innerhalb mehrerer Wochen auch verbessern kann", erzählt Fabian.
Unterschiedliches Interesse der Schüler*innen
Das Interesse der Kinder sei unterschiedlich hoch, für manche sei die Situation eher unangenehm, für andere eine Art Auszeichnung. Manche lesen gern und auch gut, berichtet Fabian, andere hätten nur wenig Interesse am Lesen. Die Herkunft der Kinder spiele dabei kaum eine Rolle, entscheidend seien vielmehr wirtschaftliche und soziale Gründe. Wobei die Kinder es wertschätzen würden, wenn man sie auf ihre Familien anspräche: „Wenn ich mit den Kindern über ihre Familien rede, da hab ich das Gefühl, dass sie gerne von zuhause erzählen.“
Nach zwei Jahren Fortschritte gesehen
Frustrierend am Ehrenamt als Lesepate sei höchstens, wenn sich kaum Lernerfolge einstellten. Manchmal wünscht er sich mehr pädagogisches Wissen, um zum Beispiel die Konzentration der Schüler*innen hoch zu halten. Unterm Strich laufe es aber gut, vor allem, wenn die Arbeit Früchte trage: „Ich war jetzt knapp 2 Jahre in einer Klasse und habe Fortschritte gesehen.“
Ein Gewinn ist das ehrenamtliche Engagement sowohl für die Schüler*innen als auch für Fabian selbst - inklusive pädagogischer Fortschritte: „Ich habe jetzt das Gefühl, dass ich viel besser mit kleinen Kindern umgehen kann.“
Wer sich vorstellen kann, als Lesepaten*in aktiv zu werden oder die Bibliothek bei anderen Aktivitäten unterstützen möchte, kann sich gerne an die Einrichtung wenden.
Kontakt: bibliothek@ems-neukoelln.de
Text/Foto: Webredaktion, M. Hühn, 2025








