Blick hinter den Gartenzaun

Im Harzer Kiez gibt es gleich sieben Kleingartenanlagen (KGA) – ein wertvoller Schatz, nicht nur für Natur und Stadtklima, sondern auch für die Nachbarschaft. Zum dritten Mal haben die KGA mit Unterstützung des Quartiersmanagements einen Tag der offenen Gärten organisiert. „Uns geht es darum, die Gärten für die Nachbarschaft zugänglich zu machen und gleichzeitig ihre Vernetzung zu unterstützen“, erklärte Quartiersmanagerin Hande Gür. Das QM war mit einem Info- und Mitmachstand in der KGA Rübezahl in der Teupitzer Straße 44 dabei. Gegenüber bot die Lebenshilfe Berlin selbstgemachte Limonade an. Kiwi-Minze und Orange-Zitrone-Rosmarin standen zur Auswahl - natürlich alles aus dem eigenen Beet, ebenso wie die Grundzutaten für die leckeren Birnen- und Pflaumenkuchen, die viele teilnehmende Pächter:innen für ihre Gäste gebacken hatten. Zwei Pächterinnen versorgten alle mit frischer Pizza aus dem Pizza-Backofen.

Katzenbilder und Vogelstimmen-Rallye

Wo bunte Luftballons an der Gartentür hingen, durfte man an diesem herrlichen Spätsommertag eintreten und wurde freundlich willkommen geheißen. Alle hatten sich für die neugierigen Besucher:innen etwas ausgedacht. In der KGA Loraberg waren Kartenbilder ausgestellt, ein paar Parzellen daneben bot André Batz von der Kiezakademie Jobberatung im Grünen an. Es gab eine Kräuterführung, eine Pflanzen- und Vogelstimmen-Rallye und eine Lesung. Ansonsten wurde mit viel Leidenschaft über Experimente mit Auberginen, Zuchterfolge mit Feigen oder den besten Standort für die Tomaten erzählt.

Das grüne Paradies macht viel Arbeit

Es gibt aber auch Technikfreaks wie den Rentner in der KGA Loraberg, der stolz ein mittels Autobatterie betriebenes Wasserspiel vorführte. „Es lässt sich mit dem Tablet bedienen“, erklärte er. Auch ein Gewächshaus aus Klorohren und selbst designete Wegleuchten finden sich in seinem Garten im asiatischen Stil. „Ich hab’ noch viele Experimente im Kopf, aber der Tag hat leider nur 24 Stunden“, seufzte er. Die häufigste Aussage an diesem sonnigen Samstagnachmittag: „Ja, so ein Garten ist toll, aber er macht schon sehr viel Arbeit!“ Diejenigen, die durch die KGA schlenderten, beeindruckte das wenig, zu idyllisch sind die saftig grünen Paradiese mit ihren üppigen Birnbäumen und den gemütlichen Häuschen. Ein wenig Neid kam da schon auf, denn die Parzellen sind begehrt und die Wartezeiten lang.

Junges Gemüse braucht viel Liebe

Das junge Paar, das sich in der Gemeinschaftsparzelle P 25 in der KGA Harztal-Wilde Rose „Wilde Drinks“ wie Garten-Cola und Vogelbeer-Tonic schmecken ließ, steht bereits auf der Warteliste. „Wir wollten mal gucken, ob wir vielleicht schon hier einsteigen können,“ erklärten sie. „Das macht auf jeden Fall Sinn“, meinte Yvonne von der Parzelle X, dem Träger des über das Programm Sozialer Zusammenhalt geförderte QM-Projekts „HarzAcker“. Der Gemeinschaftsgarten in der Harzer Straße 79 wurde 2023 im Rahmen dieses Projekts angelegt. Rund ein Dutzend Menschen kommen hier zusammen, um gemeinsam zu gärtnern. Es gibt Gemeinschafts- und Einzelbeete. „Ein großer Vorteil ist, dass ihr das hier mal ausprobieren könnt und dass andere das Gießen übernehmen können, wenn ihr verreist seid“, meinte Yvonne. Viele würden das Gießen total unterschätzen. „Bis es groß und stark ist, müsst ihr ihnen viel Wasser und Liebe geben“, erklärte Yvonne. Interessierte Mitgärtner:innen sind stets willkommen.