Happy Roma Day!
Schon in den Vorjahren ist die Freizeiteinrichtung aus der Wildenbruchstraße 25 mit einigen Kindern zur großen Roma-Parade nach Mitte gefahren. In diesem Jahr waren sie erstmals auch beim Flaggenhissen am Rathaus Neukölln dabei. Pünktlich um 12.30 Uhr marschierte der kleine Trupp los, wobei drei Kinder in der Fahrradrikscha mitfahren durften. Sie wurde vom Leiter der Wilden Rübe, Ferdinand Krüger, gesteuert. Die Kinder hatten sich die Roma-Flagge um den Körper gewickelt oder trugen ein T-Shirt mit dem Symbol, blau-grün mit einem roten Rad. Mit dabei war auch Dima Krasin, Projektleiter des Harzer Kiezladens sowie eine Lehrerin und eine Sozialarbeiterin aus der Hans-Fallada-Schule. „Wir hätten uns etwa mehr Beteiligung gewünscht“, meinten sie. Offenbar war der Termin in den Osterferien bei manchen Familien untergegangen. „Das ist so wichtig für die Kinder, so empowernd!“, sagte die Lehrerin
Flagge zeigen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung
Zusammen mit Bezirksbürgermeister Martin Hikel wurde dann vor dem Rathaus Neukölln die Roma-Flagge gehisst. „Das hast du toll gemacht!“, lobte Neuköllns Bürgermeister einen Jungen aus der Wilden Rübe, der mitgeholfen hatte. Mit der Hissung der Roma-Flagge will der Bezirk Neukölln ein Zeichen setzen für eine gleichberechtigte Teilhabe von Sinti:zze und Rom:nja. Nach wie vor sei die größte Minderheit in Europa Diskriminierung ausgesetzt, erklärte Hikel. Das fange schon bei der Sprache an. „Das Z-Wort wollen wir nicht hören!" bekräftigte Hikel. Dagegen müsste tagtäglich gekämpft werden, nicht nur an einem Tag im Jahr.
Es war das siebte Mal, dass die Flagge der Roma auf dem Vorplatz des Rathauses gehisst wurde. Alina Voinea, Ansprechperson des Landes Berlin zu Antiziganismus, wies darauf hin, dass ausgerechnet der Verein, von dem die Initiative dazu ausging, in diesem Jahr abgesagt hatte. „Sichtbarmachen braucht Konsequenz“, hatte Amaro Foro e.V. erklärt. Der Verein erklärt, mit einem symbolischen Akt der Solidarität sei es nicht getan, wenn gleichzeitig offen antiziganistische Äußerungen von Politiker*innen keine Folgen hätten.
„Die schönste Hymne der Welt“
Gemeinsam zog die Delegation aus der Wilden Rübe dann wieder zurück in die Wildenbruchstraße, wobei um die Plätze in der Rikscha gerungen wurde. Ferdinand bestand darauf, dass abgewechselt wurde, so dass alle mal drankamen. Dann ging es mit dem Bus bis zum Brandenburger Tor, wo in der Nähe des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europa die Kundgebung stattfand. „Happy Roma Day“, wünschte Hamze Bytyci von RomaTrial e.V. allen. Es sei ein Tag des Gedenkens und des Feierns. Der Schauspieler, Theatermacher und Aktivist ging in seiner mitreißenden Moderation kurz auf die lange und schmerzhafte Geschichte des Widerstands und des Kampfes um gleiche Teilhabe ein. Beim ersten Weltromakongress am 8. April 1971 in London wurde der Grundstein für die Roma-Bewegung gelegt. Damals wurde auch die Flagge und die Hymne festgelegt – „die schönste Flagge der Welt“ wie Hamze Bytyci betonte. „Wir sind sehr stolz darauf, ein Teil der Gesellschaft zu sein und viel zur europäischen Kultur beigetragen zu haben“. Nach einem sehr bewegenden Vortrag der Hymne „Gelem Gelem“ durch eine Sängerin und einen Sänger trat der bekannte Rapper und Aktivist Mal Élevé auf. Der Sohn eines französischen Manouche (Sinti) sang über Erfahrungen der Ausgrenzung und die Wut darüber.
Eine Schweigeminute für die Opfer des Holocaust
Ein sehr berührender Moment war der gemeinsame Besuch des Mahnmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma, für das sich die Community lange eingesetzt hatte. Zu Ehren der rund 500 000 Todesopfer wurde eine Schweigeminute abgehalten und rote Rosen in den kleinen Teich gelegt. Die Kinder aus der Wilden Rübe wurden ganz still. Er hätte nicht gewusst, dass es einen solchen Ort gibt, meinte ein Junge. Die Parade zog dann am Reichstag vorbei über die abschnittsweise gesperrten Unter den Linden bis zur Volksbühne, wo an diesem Tag ein „Abend der radikalen Sichtbarkeit“ geboten wurde. Internationale Roma* und Sinti* Künstler*innen nahmen die große Bühne ein und feierten ihre Geschichten.
















