Vom Autoparkstreifen zur Fußgängerpromenade
Noch parken überall an den Bordsteinen und auf dem Mittelstreifen der Elbestraße Autos. Doch ab nächstem Jahr wird sie zu einer Modellstraße für den Fuß- und Fahrradverkehr. Die Planungsbüros diskutierten ihre Umbaupläne am 11. Juli mit den Anwohnenden.
„Der Umbau der Elbestraße ist schon ein längerer Prozess“, erklärte Neuköllns Baustadtrat Jochen Biedermann. In jedem Bezirk soll es ein Modellprojekt für nachhaltige Mobilität geben. Die Idee, dafür die Elbestraße auszuwählen, hat das Bezirksamt 2022 auf einem Straßenfest vorgestellt. Im Jahr 2023 wurde eine Machbarkeitsstudie erarbeitet, und im folgenden Jahr hat der Bezirk die nötigen 4,25 Millionen Euro beschafft. „Seit Ende 2024 haben wir die Finanzierungszusage“, verkündete Biedermann.
Fahrradstraße, Promenade und Schulfläche
Die Grundidee ist, die westliche Fahrbahn zu einer Fahrradstraße zu machen, den Mittelstreifen zu einer Fußgängerpromenade umzugestalten und den Straßenabschnitt vor der Elbeschule zu einer autofreien Schul- und Nachbarschaftsfläche umzubauen. Der Autoverkehr wird auf die östliche Fahrbahn zwischen Sonnenallee und Weserstraße sowie zwischen Schandauer Straße und Weigandufer beschränkt. Für Feuerwehr, Rettungsdienste und Müllabfuhr bleiben alle Häuser erreichbar.
Die Fahrradstraße ist Teil des Hauptnetzes, das aber erst dann komplett wird, wenn die geplante Brücke über den Kanal zur Bouchéstraße gebaut wird – das ist aber noch nicht absehbar. Die West-Fahrbahn der Elbestraße wird asphaltiert und ist dann für Fahrräder in beiden Richtungen offen. An einigen Stelle sind Überfahrten zu Grundstücken mit Anliegerverkehr vorgesehen. Ansonsten soll die Fahrradstraße autofrei bleiben. „Wir wollen das mit so wenig Pollern wie möglich absichern“, sagte Verkehrsplaner Lukas Rieper von der Gruppe Planwerk.
Entlang der Fahrradstraße sollen Versickerungsflächen entstehen, damit das Regenwasser in den Boden gelangen kann und nicht in die Kanalisation rauscht. Zwischen den beiden mittleren Baumreihen wird eine Fußgängerpromenade angelegt. Die Nachbarschaftsfläche vor der Schule reicht bis an die Promenade heran. „Der Hauptzweck ist, den Schulweg sicherer zu machen“, erläuterte Luis Miguel Kann vom Landschaftsplanungsbüro bgmr.
Weniger Stellplätze für mehr Baumschutz
Auf Autofahrende kommen mit dem Umbau Einschränkungen zu. Sie müssen möglicherweise Umwege fahren und haben deutlich weniger Parkplätze zur Verfügung: Von den 292 Stellplätzen, die es heute im Straßenland gibt, bleiben nur 43 übrig. „Wir reduzieren die nicht als Selbstzweck“, erklärte Jochen Biedermann. Es geht vor allem darum, den versiegelten Boden aufzubrechen, damit die Bäume die zunehmende Trockenheit überstehen. „Wenn wir hier nichts tun, werden die Bäume nicht zu halten sein“, sagte der Stadtrat. „Was wir hier in der Elbestraße haben, ist ein Schatz. Den müssen wir bewahren.“ Die Zahl der Bäume soll durch Nachpflanzungen von 122 auf 137 steigen.
Die meisten der rund 80 Anwohnenden, die in die Elbeschule gekommen waren, begrüßten die Planung. Die Frage, wie viele Bänke man aufstellt, blieb umstritten: Für ältere Leute sind sie sehr wichtig, doch könnten sie auch Menschen anziehen, die nachts Lärm machen.
Zwei Wochen Online-Beteiligung
Die jetzt präsentierten Pläne kann man sich auch online auf der Plattform mein.berlin.de ansehen und dort zwischen dem 16. Juli und dem 3. August kommentieren. Mit den Anregungen aus der Bürgerbeteiligung wird der Entwurf noch einmal überarbeitet und verfeinert. Ende des Jahres soll die endgültige Gestaltung feststehen, damit die Straße von 2026 bis 2028 abschnittsweise umgebaut werden kann.
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