Harzer Kiezladen offiziell eröffnet
Gäste auf der Eröffnungsfeier (v.li.n.re): Sarah König, Sören Bott, Vanessa Machowetz, Jochen Biedermann, Jan Hanka, Björn Teuteberg, Stefanie Dunkel-Janßen, Katrin Janetzki, Dima Krasin.
Draußen wehen rote und blaue Luftballons im Wind, drinnen werden Schnittchen und Kuchen auf den Tresen gestellt. Es ist der erste warme Tag im Jahr, fast schon Frühling, die Tür steht offen. Der massive Tresen erinnert mit seinen geschnitzten Engeln an vergangene Kneipenzeiten, da war der Laden auch eine Art Nachbarschaftstreffpunkt. Seit einigen Jahren wird ein Teil der Räumlichkeiten bereits als Kita genutzt. Der restliche Bereich der ehemaligen Gaststätte dient nun u.a. erneut wieder als Begegnungsort im Harzer Kiez.
Raum für nachbarschaftliches Engagement und Austausch
Der Harzer Kiez hat großen Bedarf an zusätzlichen Orten, in denen die Nachbarschaft zusammenkommen kann. Sogenannte „Ankerorte“ sind wichtig für die Quartiersarbeit, hier können sich Menschen unabhängig von Herkunft, Alter und Einkommen treffen. Räume wie der Kiezladen bieten zudem die Möglichkeit, ehrenamtlich aktiv zu werden und niedrigschwellige und kostenfreie Angebote zu den Menschen zu bringen.
Das Quartiersmanagement suchte Ort für Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten
Um einen solchen Ort zu schaffen, hatte das Quartiersmanagement Harzer Straße das Projekt „Harzer Kiezladen“ 2025 ausgeschrieben. „Der Kiezladen soll ein Ankerort werden, an dem Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten zusammenkommen, alltagsnahe Unterstützung erhalten und eigene Initiativen entwickeln können. Ein Augenmerk liegt dabei auch auf der zahlreich vertretenen Rromnja-Community in direktem Umfeld zum Kiezladen. Der Kiezladen soll offen für die ganze Nachbarschaft sein", so der Ausschreibungstext. Zur Umsetzung des Projekts wurde als Träger die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. ausgewählt. Bis mindestens Ende 2028 wird der Kiezladen nun aus Mitteln des Programms Sozialer Zusammenhalt gefördert.
Vor allem Kinder kommen in den Kiezladen
Projektleiter des Harzer Kiezladens ist Dima Krasin. Am Eröffnungstag hat er alle Hände voll zu tun, er koordiniert die Helferinnen und Helfer und begrüßt die Gäste. Dima ist seit dem Beginn des Quartiersmanagement-Projektes im Oktober 2025 für den Kiezladen zuständig. Einige Beratungs- und Freizeitangebote konnten schon im Kiezladen untergebracht werden. So finden beispielsweise regelmäßig die kostenlose Jobberatung der Kiezakademie Neukölln, Hilfe beim Ausfüllen von Dokumenten, Bastelangebote mit den Stadtteilmüttern oder gemeinsames Kochen und Spiele- und Filmnachmittage statt. Ein großer Teil der Besuchenden, erzählt Dima, sind momentan Kinder aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Manchmal bringen sie auch ihre Eltern mit, um im Kiezladen Hilfe und Beratung zu erhalten.
Programm für verschiedene Zielgruppen
Zum festen Programm gehört auch das wöchentliche Nachbarschaftsfrühstück, das von den Stadtteilmüttern organisiert wird. Geplant ist zukünftig auch ein regelmäßiges Frühstücksangebot für Seniorinnen und Senioren, sodass auch diese Zielgruppe vom neuen Begegnungsort profitieren kann. Demnächst soll es eine Theatergruppe für Seniorinnen und Senioren geben, die Idee dazu kam von einem Bewohner des Harzer Kiezes, der sich damit ans Quartiersmanagement gewandt hatte. Weitere Angebote werden in den nächsten Wochen und Monaten folgen. Auch Bürgerinitiativen wie die Verkehrs-Initiative Harzer Straße nutzen den Raum als Treffpunkt.
Die kleine Auswahl illustriert gut den Anspruch des Kiezladens: Ein Ort für verschiedenste Angebote für die Bedarfe unterschiedlicher Zielgruppen von oder für die Nachbarschaft. Zur Förderung der Vernetzung von Menschen aus dem Kiez nutzen auch die Träger weiterer Projekte des Quartiersmanagements wie Trial & Error, die Roho UG oder Nena e.V. die Räumlichkeiten für einzelne Veranstaltungen.
Ein Ort, an dem man "miteinander solidarisch sein kann"
Welche Bedeutung der Kiezladen für den Harzer Kiez hat, betonten auf der offiziellen Eröffnung die Redner. Gerade angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und zunehmender Abschottung brauche man solche Orte, so Bezirksstadtrat Jochen Biedermann, wo Menschen aus ihrer eigenen Blase herauskämen, wo man zusammenkommen und „miteinander solidarisch“ sein könne. Er verwies darauf, dass das Gelingen von Projekten auch wichtig für das Vertrauen der Menschen in Politik und Verwaltung sei. Als Beispiel nannte er das Projekt „Harzer Kiez in Bewegung“, in dessen Rahmen Jugendliche an der Planung für die Umgestaltung des Platz S -übrigens direkt gegenüber vom Kiezladen- beteiligt wurden .
Nach Jochen Biedermann bedankte sich Björn Teuteberg, Regionalvorstand der Berliner Johanniter, beim Team des Quartiersmanagements für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Quartiersmanager Jan Hanka erwiderte diesen Dank und betonte die Funktion des Kiezladens für die Versorgung des Sozialraums. „Wir sind sehr froh diesen Standort im Gebiet dazugewonnen zuhaben: "Die Schaffung von Einrichtungen, welche die Begegnung und Vernetzung der Nachbarschaft fördern, stellt eine der Kernaufgaben des Quartiersmanagements dar.“ Jan Hanka bedankte sich darüber hinaus bei der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft, die die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.
Wer Interesse hat, im Kiezladen etwas anzubieten oder mitzuarbeiten, ist herzlich willkommen.
Kontakt:
Harzer Kiezladen
Harzer Straße 64, 12059 Berlin
Tel: +49 17 36179197
Webseite
Text/Fotos: Webredaktion, M. Hühn, 03/2026












